Ein Missverständnis begegnet uns in der Praxis immer wieder: dass ein Implantat weniger Pflege braucht als ein eigener Zahn, weil es ja nicht kariös werden kann. Karies bekommt es tatsächlich keine. Dafür ist das Gewebe rundherum empfindlicher als das Zahnfleisch an einem natürlichen Zahn. Ob eine Versorgung über Jahre unauffällig bleibt oder Probleme macht, entscheidet sich deshalb meist an der täglichen Reinigung.
Wie ein Implantat geplant und gesetzt wird, steht auf der Seite zu Zahnimplantaten. Hier geht es um das, was danach kommt: die ersten Tage nach dem Eingriff, die Einheilphase, die Reinigung zu Hause und die Termine bei uns.
Die ersten Tage nach dem Eingriff
Unmittelbar nach der Implantation gelten die Hinweise, die Sie von uns persönlich bekommen. Sie richten sich danach, was tatsächlich gemacht wurde. Der Rahmen ist aber fast immer derselbe: die ersten Stunden kühlen, an diesem Tag nichts Heißes essen oder trinken, auf der Gegenseite kauen und die Wundstelle beim Putzen vorerst aussparen. Sport und Sauna warten ein paar Tage, Alkohol ebenfalls.
Eine Schwellung und leichte Schmerzen in den ersten zwei bis drei Tagen sind normal, meist dazu ein Spannungsgefühl. Kühlen und ein Schmerzmittel fangen das gut auf, und von Tag zu Tag wird es weniger. Auch ein leichtes Nachbluten am Abend des Eingriffs gehört dazu.
Nicht normal ist es, wenn der Verlauf umkehrt. Nehmen Schwellung oder Schmerz nach dem dritten Tag wieder zu, kommt Fieber dazu, hört eine Blutung nicht auf oder bleibt ein Taubheitsgefühl bestehen, dann rufen Sie uns bitte an, statt bis zum vereinbarten Termin zu warten. Das gilt auch, wenn Sie sich einfach unsicher sind. Dafür ist das Telefon da.
Die Einheilphase
Bei normalem Verlauf heilt ein Implantat rund zwölf Wochen ein. Ging ein Knochenaufbau voraus, dauert es je nach Umfang länger. In dieser Zeit wächst der Knochen an die Implantatoberfläche heran. Sichtbar passiert dabei nichts, spürbar auch nicht. Fehlt ein Zahn im sichtbaren Bereich, überbrücken wir die Lücke bis dahin mit einem Provisorium.
Gefragt ist jetzt vor allem Geduld. Am Provisorium wird nicht gezogen, harte Kanten wie Brotkrusten oder Nüsse kaut man auf der anderen Seite. Die Stelle soll sauber bleiben, ohne bedrängt zu werden: Sobald die Wunde verschlossen ist, putzen Sie sanft mit, statt sie weiter auszusparen. Wer raucht, sollte gerade in dieser Phase aufhören oder zumindest deutlich reduzieren. Rauchen stört die Einheilung von allen bekannten Risikofaktoren am stärksten.
Die tägliche Pflege zu Hause
Sitzt die Krone, gilt für das Implantat dasselbe wie für jeden anderen Zahn, nur konsequenter. Zweimal täglich putzen, ausdauernd und gründlich, aber ohne Kraft. Zu viel Druck ist bei Implantaten häufiger ein Problem als zu wenig Putzen. Er setzt genau dem Gewebe am Implantatrand zu, das ohnehin empfindlicher ist. Eine weiche Bürste genügt. Die Zahnpasta müssen Sie nicht wechseln, eine handelsübliche fluoridhaltige ist richtig.
Entscheidend ist der Zwischenraum. Dort, wo Krone und Zahnfleisch aufeinandertreffen, halten sich Beläge, an die keine Zahnbürste kommt, und genau dort beginnen die Probleme. Für diese Stellen brauchen Sie Interdentalbürsten in der passenden Größe. Die passen wir Ihnen bei der Mundhygiene einmal an, danach bekommen Sie dieselbe Größe in jeder Apotheke. Auf Verdacht gekauft nützen sie wenig: zu große Bürsten verletzen, zu kleine reinigen nicht.
Zahnseide ist eine mögliche Ergänzung, aber nicht an jeder Stelle das richtige Hilfsmittel. Wenn bei Ihnen zusätzlich eine Parodontitis behandelt wurde oder die Versorgung eng sitzt, fragen Sie uns vorher. Eine Munddusche ersetzt weder Zahnbürste noch Interdentalbürste, kann aber daneben ihren Platz haben.
Die Termine in der Praxis
Zur Kontrolle einmal im Jahr, zur Mundhygiene in der Regel zweimal. Öfter als vorher müssen Sie deshalb nicht kommen, aber verlässlicher. Bei der professionellen Zahnreinigung geht es um mehr als Zahnstein und Verfärbungen: Am Implantat wird mit Instrumenten gearbeitet, die die Oberfläche nicht beschädigen, und gereinigt wird dort, wo Sie selbst nicht hinkommen.
Der zweite Teil dieser Termine ist der Blick darauf. Wir sehen uns an, wie fest die Versorgung sitzt, ob der Biss zusammenpasst, ob das Zahnfleisch am Implantatrand blutet und ob sich die Taschentiefe verändert hat. In dem Moment, in dem wir solche Veränderungen sehen, spüren Sie davon meist noch nichts. Dafür sind die Termine da.
Aus demselben Grund sind eingehaltene Prophylaxetermine bei uns Voraussetzung für die Garantie auf Implantate und Kronen.
Periimplantitis: das eigentliche Risiko
Was rund um ein Implantat aussieht wie Zahnfleisch, ist genau genommen Narbengewebe. Ihm fehlt ein Teil der Schutzfunktion, die ein eigener Zahn mit seinem Zahnhalteapparat mitbringt. Halten sich dort dauerhaft Beläge, entzündet sich zuerst die Schleimhaut. Greift die Entzündung auf den Knochen über, heißt sie Periimplantitis.
Das Tückische daran ist, dass sie fast nicht weh tut. Frühe Zeichen sind Zahnfleisch, das beim Putzen blutet, gerötete oder geschwollene Ränder, manchmal ein unangenehmer Geschmack. Wer das für eine Kleinigkeit hält und abwartet, verliert die Zeit, in der sich die Sache noch vergleichsweise einfach in den Griff bekommen lässt. Je später eine Periimplantitis auffällt, desto aufwendiger wird ihre Behandlung.
Vorbeugen ist unspektakulär: täglich die Zwischenräume reinigen und die Kontrolltermine einhalten. Dazu kommt, was das Risiko erhöht und sich beeinflussen lässt, allen voran Rauchen, ein schlecht eingestellter Diabetes und eine unbehandelte Parodontitis an den eigenen Zähnen. Und wenn zwischendurch etwas auffällt, etwa nächtliches Zähneknirschen, ein Druckgefühl oder Blutung am Implantatrand: nicht bis zum nächsten Termin warten. Rufen Sie an.
